Wie einfache Regeln helfen, wenn Ihr innerer Macher die Altersvorsorge sabotiert

Kennen Sie diese Frage auch? Ganz ehrlich: Es ist nicht vernünftig und doch unglaublich menschlich. Außerdem möchte ich behaupten, dass diese Frage in uns allen schlummert.

Renten BerechnungDie Rentenkassen leer sind und es haben bereits einige Nullrunden in Sachen Rentenerhöhung stattgefunden. Trotzdem fällt es immer noch vielen Menschen schwer,  für das Alter Vorsorge zu treffen. In meinen Beratungsgesprächen fällt mir immer wieder auf, dass gerade jüngere Frauen unter 40 das Thema Altersvorsorge noch gar nicht auf dem Schirm haben. Deshalb machen sich Ökonomen und Verhaltenswissenschaftler seit längerem Gedanken über die Ursachen und forschen nach Lösungen.

Die Theorie vom Homo-Oeconomicus

Die Ökonomen gingen lange Zeit davon aus, dass Menschen rational denkende und handelnde Wesen sind. Sie prägten dann das Bild vom „Homo Oeconomicus“. Das wurde in mathematischen Modellen wie dem Lebenszyklus-Modell der Konsum- und Sparentscheidungen zum Ausdruck gebracht. Dafür erhielt Franco Modigliani 1954 den Nobelpreis . Man ging davon aus, dass Menschen ihre Konsum- und Sparentscheidungen langfristig treffen und dass sie während ihres Arbeitslebens entsprechend Vermögen aufbauen. Um später im Alter den Konsum wie gewohnt beibehalten zu können, wird das Vermögen dann entsprechend abgebaut. Ökonomen lieben mathematische Modelle. Doch offensichtlich passte diese Theorie nicht so ganz.

Theorie und Realität: Arme Rentner in der US-Wirklichkeit

Mann hlt sich Mund und Augen zuEmpirische Ergebnisse zeigen, dass Menschen sich längst nicht so ökonomisch und im mathematischen Sinn optimal verhalten, wie es erforderlich wäre. In den USA sind die Menschen für Ihre Rente selbstverantwortlich. Die Realität zeigt, dass viele Rentner ihren Konsum ganz drastisch einschränken müssen, weil sie nicht genug gespart haben als Arbeitnehmer. Viele Rentner müssen sogar bis ins hohe Alter arbeiten. Deshalb setzen sich die Verhaltenswissenschaftler inzwischen, verstärkt mit der Frage auseinander, wie es dazu kommt.

Die Wissenschaftler Shefrin und Thaler haben nun das verhaltenswissenschaftliche Lebenszyklusmodell entwickelt. Dabei wird angenommen, dass Menschen grundsätzlich der Versuchung widerstehen müssen, dass sie ihr heutiges und zukünftiges Einkommen nicht sofort verkonsumieren.

Zwei Seelen wohnen ach in meiner Brust….

…wusste schon Goethe den inneren Zwiespalt zu beschreiben, der bei Entscheidungskonflikten auftritt, wenn die vernünftige und die leichtsinnige innere Stimme im Konflikt miteinander streiten. Genauso wird in dem neuen Modell von Shefrin und Thaler die Entscheidung über den heutigen und den zukünftigen Konsum auch als ein „intrapersonales Entscheidungsproblem“ definiert. Dabei wird nun die Annahme getroffen, dass jeder Mensch quasi zwei unterschiedliche Egos in sich hat.

Wie der innere Planer und der innere Macher Ihre Entscheidungen beeinflussen

Innerer Planer und innerer Macher im KonfliktDas gute Ich ist der „Planer„. Er denkt planvoll, zukunftsorientiert und vorsorgend. Seine Stimme flüstert Ihnen leise ein: „Solltest du nicht lieber…..später tut es dir leid.“ oder „Denk lieber an deine Rente, bevor du das jetzt wieder kaufst“.

Das schlechte Ich ist der „Macher„. Er flüstert Sätze wie „Ich will aber heute leben“ oder „Wer weiß, was später ist und ob ich dann noch lebe.“ Manchmal sagt er sogar Sätze wie „Ich werde nicht alt. In meiner Familie ist keiner alt geworden.“

Kennen Sie diese Stimmen? 

Das ist alles völlig menschlich. Doch was tun, damit im Ruhestand die Rente reicht?

Drei Regeln die Ihnen helfen, Ihre Finanzplanung zu verwirklichen

Wenn Sie im Alter also nicht unter einer Brücke schlafen oder zumindest Ihren Konsum massiv einschränken möchten, müssen Sie den Planer unterstützen. Dazu gibt es ein paar Tricks.

Aus der Psychologie ist bekannt, dass einfache interne Regeln die Selbstdisziplin unterstützen. Diese Regeln müssen neben Einfachheit auch noch die Eigenschaften dynamische Stabilität und wohl definierte Ausnahmen aufweisen.

Regel 1: Überprüfen Sie Ihr mentales Kontensystem

Mentales Kontensystem prüfenMenschen tendieren dazu, für bestimmte Ausgaben und Einnahmen im Kopf mentale Konten zu bilden. Deshalb werden unterschiedliche Einnahmen auch unterschiedlich bewertet. Das gleiche gilt für Ausgaben. Es macht beispielsweise einen großen Unterschied, ob Sie eine bestimmte Summe im Kasino oder im Lotto gewonnen haben oder ob Sie das Geld als Steuerrückerstattung erhalten. Dementsprechend variiert dann auch die Neigung, dieses Geld zu konsumieren oder zu sparen.

Bei den Ausgaben führt das dazu, dass Menschen bei Konsumausgaben eher auf das laufende Einkommen auf dem Girokonto zugreifen, als auf die langfristigen Ersparnisse auf dem Investmentdepot oder gar auf die Altersvorsorgeverträge.

In der Praxis erlebe ich sogar, dass Kundinnen selbst dann nicht auf die Ersparnisse auf dem Investmentdepot zugreifen, wenn das Girokonto massiv überzogen ist. Das macht natürlich keinen Sinn, denn die Überziehungszinsen sind noch immer hoch.

Wichtig also:

Bilden Sie so früh es irgendwie geht, verschiedene Konten für verschiedene Ziele und Zweck. Dazu kann ein Urlaubs- und/ oder Konsum-Konto, ein Eigenheim-Ansparkonto und eine Ruhestandskonto gehören. Gerade das letzte muss sehr früh eingerichtet werden, damit es im mentalen Kontensystem verankert wird. Sonst wird es später schwierig, Veränderungen vorzunehmen. Das zeigt sich gerade in der aktuellen Niedrigzinsphase. Viele Menschen, die immer nur auf kurzfristige Verfügbarkeit und Sicherheit im Sinne der Vorhersagbarkeit Ihrer Zinserträge orientiert waren, haben große Schwierigkeiten, sich umzustellen.

Behalten Sie aber trotzdem Ihr Gesamtvermögen im Blick. Es macht ökonomisch keinen Sinn, wenn Sie auf fünf verschiedenen Tagesgeldkonten den größten Teil Ihres Vermögens für diverse Eventualitäten horten. Die Verzinsung liegt momentan durchschnittlich bei 0,1 %. Wenn die Inflation bei ca. 2 % liegt wird ihr Geld real immer weniger. Deshalb empfehle ich dazu unbedingt eine solide Finanzplanung.

Regel 2: Die Ausnahme und die Regel: Definieren Sie klare Ausnahmen

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Kennen Sie Ihre kleinen und Ihre etwas größeren Schwächen? Der größte Unsicherheitsfaktor bei der Finanzstrategie ist leider der Faktor Mensch. Deshalb sollten Sie unbedingt klare Ausnahmeregeln für Notfälle oder andere Ereignisse definieren und diese auch strikt einhalten.

Gerade bei den Selbstständigen ist das wirklich manchmal schwer umzusetzen. Wenn gerade die Umsätze einbrechen oder etwas Unvorhergesehenes passiert, wird gerne mal die Altersvorsorge geplündert. Deshalb schätze ich persönlich die Basisrente. Da ist die Altersvorsorge auch vor mir selber sicher. Unter Kostenaspekten ist ein Direktbank-Online-Depot vielleicht günstiger, aber unter verhaltenswissenschaftlichen Aspekten hat eine Basisrente deutliche Vorteile für die Selbstdisziplin.  Außerdem ist das Thema keine Entweder-oder-Betrachtung, denn schließlich sollte man niemals alle Eier in einen Korb legen.

Regel 3: Dynamische Stabilität: Bauen Sie Kontroll-Routinen ein

Kontroll-Routine

In meiner Beratung erlebe ich häufig, dass Kundinnen und Kunden sich oft seit Jahren nicht mit Ihren Finanzen befasst haben. Vieles hat sich seitdem verändert. Doch Sie haben es nicht mitbekommen. Vielleicht wollten Sie es auch gar nicht wissen. Die Welt ist ständig im Wandel und die Dynamik wird immer stärker. Vor allem in der Finanzwelt ist das ganz stark spürbar.

Häufig sind die vor Jahren getroffenen Entscheidungen nicht mehr angemessen für die aktuelle Lebenssituation. Deshalb befassen Sie sich regelmäßig mit Ihren Finanzen. Vereinbaren Sie Termine mit Ihrer Finanz- und Steuerberaterin oder ganz einfach mit sich selbst. Lassen Sie sich ausrechnen, was von Ihrer Rente nach Steuern, Krankenversicherung und Inflation übrig bleibt und setzen Sie sich mit der Thematik auseinander. Es ist wesentlich einfacher, wenn Sie für diese Fragen Routinen entwickeln und im Thema bleiben, um sich damit sicher zu fühlen.

 

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen viel Erfolg mit Ihrer Finanzstrategie!

Herzlichst
Ihre

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