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Von Angsthasen und Helden

BLOG-Serie: Risiken verstehen und besser entscheiden

Wussten Sie eigentlich, dass die Risikobereitschaft bei unterschiedlichen Menschen auch sehr unterschiedlich ausgeprägt ist?

O.k. das war jetzt eher eine rhetorische Frage.

Hase Kaninchen Vektor von der SeiteJa natürlich kennen wir alle die „Angsthasen„, die sich früher nicht mal trauten, vom Startblock zu springen und die „Tollkühnen„, die gleich auf den Fünfer kletterten. Die  „Mutigen“ waren meist solange die „Helden“ bis sie sich mal wehgetan hatten. Dann waren sie plötzlich nur noch die Leichtsinnigen oder …… – was auch immer.

Schwarz-Weiss Denken

Offensichtlich lieben wir Menschen Schubladen, Kategorien und Extreme. Das macht das Leben einfacher. Und wir neigen ein bisschen zu Schwarz-Weiß-Malerei. Kennen Sie das auch? Ich will mich davon nicht frei sprechen. Das scheint in den Genen zu stecken. Wahrscheinlich war das in der Steinzeit wichtig, um blitzschnell lebenswichtige Entscheidungen treffen zu können.

Angst und Gier

vector illustration of a smiling financial shark and a frightened piggy bank

So ähnlich ist es nun auch bei der Geldanlage.  Auch da gibt es vemeintlich „ängstliche“ und „mutige“ Anlegerinnen. Gewinner sind meistens die Mutigen, weil sie höhere Renditen erzielen. Meistens –  nicht immer. Wenn Sie eine  Bauchlandung machen, dann heißen sie schnell die „Gierigen“.

Denn an der Börse wird zwischen „Angst“ und „Gier“ unterschieden. Obwohl da auch noch ganz andere Faktoren zum Tragen kommen. Das hatte ich in meinem Artikel zum Herdentrieb bereits beschrieben. Menschen laufen mit der Herde, weil sie sich dort sicher fühlen, nicht nur aus Gier.

Der blinde Fleck

Von Angst zum Mut als Konzept auf einem Straßenschild

Doch zwischen „schwarz“ und „weiß“ oder“ Angst“ und „Mut“ oder wie auch immer Sie es nennen , liegen viele verschiedene Nuancen. Und genau hier liegt der blinde Fleck. Die Risikobereitschaft – auch die finanzielle – ist ein Persönlichkeitsmerkmal. Sie ist quasi angeboren, wie die Augen- oder Haarfarbe oder das Temparament.

Deshalb können Sie sich auch eine höhere Risikobereitschaft nicht antrainieren. Das wäre so, als wollten Sie sich eine andere Haarfarbe antrainieren. Das würde bei der Haarfarbe auch niemand von Ihnen erwarten. Bei Geldanlagen sieht das etwas anders aus. Vom Verbraucherschützer über Bank- und Finanzberater bis zu den Medien, erzählen Ihnen alle, was Sie tun müssten und was Sie lassen sollten. Doch ist das auch, was Sie wollen und brauchen?

Der kleine Unterschied

Rope jumping.Dazu kommt noch ein anderer Aspekt. Ob ein Mensch todesmutig von einem Berg springt, sagt überhaupt rein gar nichts darüber aus, ob er auch bei seiner Geldanlage eine hohe Risikobereitschaft besitzt. Das sind zwei Paar ganz verschiedene Schuhe. Also schließen Sie nicht einfach von Ihrer körperlichen Risikobereitschaft auf Ihre finanzielle Risikobereitschaft. Das könnte fatale Folge haben, wenn Sie dann bei der nächstbesten Krise Torschlusspanik bekommen und Fehlentscheidungen treffen.

Es gibt auch noch eine soziale, ethische oder unternehmerische Risikobereitschaft. Auch da kann die Ausprägung jeweils ganz unterschiedlich sein und ganz anders als bei der finanziellen Risikobereitschaft. Das eine hat nichts mit dem anderen zu tun.

Das Dilemma

Nun fragen Sie sich vielleicht, wozu das alles wichtig ist. Wozu sollten Sie Ihre finanzielle Risikobereitschaft kennen? Eigentlich wollen Sie doch überhaupt gar kein Geld verlieren. Es soll einfach sicher angelegt sein.  Aber was heißt schon sicher?

sinkende ZinsenWenn die Zinsen inzwischen so niedrig sind, dass Sie bei einer vermeintlich sicheren Geldanlage nicht mal mehr den Kaufkraftverlust durch die Inflation ausgleichen können, ist das dann sicher? Es fühlt sich sicher an, weil die Zahlen auf dem Konto die gleichen bleiben. Da steht kein Minus auf dem Kontoauszug. Doch in Kaufkraftverlust sieht das anders aus.

Eigentlich müssten Sie also ein höheres Risiko eingehen, um Ihre finanziellen Ziele für den Ruhestand, die Ausbildung der Kinder oder für andere Ziele erreichen zu können.

Theoretisch wissen Sie ja auch, dass sich die Aktienkurse in der Vergangenheit immer wieder erholt haben und dass die Renditen langfristig höher waren als bei verzinslichen Anlagen. Sie müssen das dann bloß eine Zeit lang aushalten können, wenn es mal nach unten geht.

Die richtige Mischung macht’s

Comfort Zone written on a wooden cube in office deskUnd genau da liegt das Problem. Wenn dieser „gefühlte Verlust“ oder das Minus vor den Zahlen nun so weit außerhalb ihrer Komfortzone liegt, dass Sie jetzt die Panik ergreift und Sie fluchtartig, dass Börsenparkett verlassen bzw. Ihre Aktien oder Fonds verkaufen, dann machen Sie wirklich Verluste. Denn dann geben Sie den Aktien nicht mehr die Chance, sich wieder zu erholen.

Das Problem der Messbarkeit: Wieviel Risikoanteil ertrage ich überhaupt

Deshalb ist es ganz wichtig, dass Sie Ihre finanzielle Risikobereitschaft kennen, damit Sie genau wissen innerhalb welcher Grenzen Ihre Komfortzone liegt und Sie ein Minus auf dem Konto auch mal vorübergehend aushalten können. Auch Ihr Berater oder Ihre Beraterin sollte diese Komfortzone kennen, um Ihnen den geeigneten Anlagevorschlag anbieten zu können.

Doch wie ermitteln Sie Ihre eigene finanzielle Risikobereitschaft? Dafür gibt es ja keine Messlatte und kein Thermometer.

Auch dafür gibt es eine Lösung. Diese verrät Ihnen mein Kollege Lothar Schmidt nächste Woche in der nächsten Ausgabe unseres gemeinsamen Blog-Projekts „Risiken verstehen und besser entscheiden“ von Kornelia Rendigs “finanzcoaching-bremen.de” und Lothar Schmidt Die private Finanzentscheidung

Herzlichst

Kornelia Rendigs

Haben Sie Fragen zum Finanzcoaching oder zur Finanzplanung? Wollen Sie wissen, wie es in der Praxis und im Detail genau abläuft? Dann rufen Sie mich an
Tel. (0421) 408 99 440 oder (0160) 28 48 646 oder schicken mir eine E-Mail: kr@vermoegenundzukunft.de.

„Hilfe die Welt geht unter“: Wie Wahrnehmungs-Risiken den Blick verstellen

BLOG-Serie: Risiken verstehen und besser entscheiden

So wie es unterschätzte Risiken gibt, so gibt es auch überschätzte Risiken.

Gehören Sie auch zu den Menschen, die Aktien für etwas sehr „Gefährliches“ halten und in der ersten Jahreshälfte 2015 fürchteten, der EURO würde untergehen und mit ihm der Rest der Welt?

Das ist nicht weiter verwunderlich. Es ist immer eine Frage der Wahrnehmung, wie Sie ein Risiko bewerten und wie stark Geschäftsmann steht vor leuchtendem Euro-Portal in einer Griechenland-Wandes Ihnen Angst macht und Unbehagen verursacht. Wenn ein Thema so präsent ist in den Medien, dann ist es kein Wunder, dass es Ihre volle Aufmerksamkeit hat. Dazu kommt noch die Macht der Worte. Die Berichterstattung über die Griechenland- und EURO-Krise war ja nicht gerade sachlich. Mit der Angst lässt sich nun mal gutes Geschäft machen. Das wissen auch die Menschen, die ihre Geschichten verkaufen müssen.

Besonders Großereignisse, von denen viele Menschen betroffen sind, erregen besonders unsere Aufmerksamkeit. Obwohl jedes Jahr viel mehr Menschen bei Unfällen im Straßenverkehr tödlich verunglücken als bei Flugzeugunglücken, wird ein einziger Flugzeugabsturz viel stärker und beängstigender wahrgenommen. Das liegt daran, dass es so viele Opfer auf einmal gibt und dass dies unserer Betroffenheit viel stärker weckt als die über das Jahr verteilten Verkehrsunfälle mit tödlichem Ausgang.

Bei den Kursschwankungen an den Aktienbörsen ist es ähnlich. Viele Menschen sind betroffen und die Kursverluste werden dazu noch viel stärker wahr genommen als die Kursgewinne. Alle Medien auf allen Kanälen berichten, als hätte der Weltuntergang bereits begonnen. Kein Wunder also, wenn Sie Aktien für gefährlich halten.

Verlustaversion – loss aversion

collapseBei den Kursschwankungen an den Börsen kommt noch ein weiterer Aspekt hinzu. Jeder Verlust wird viel stärker wahrgenommen als ein Gewinn. Wahrscheinlich geht es Ihnen auch so, dass Sie sich über Verluste viel mehr ärgern, als Sie sich über Gewinne freuen. Beispielsweise ärgert man sich über den Verlust von 100 € mehr, als man sich über den Gewinn von 100 € freut.

Herausgefunden haben dies der Nobelpreisträger Daniel Kahnemann und sein Kollege Amos Tversky und als Verlustaversion (englisch: loss aversion) bezeichnet.

Das führt dazu, dass Kursschwankungen an den Börsen gegenüber anderen Verlustrisiken sehr stark überbewertet werden. Obwohl sich die Aktienkurse erfahrungsgemäß wieder erholen, nehmen viele Menschen lieber den inflationsbedingten permanenten Wertverlust in Kauf.

Soziale Risiken

Haben Sie auch schon mal erlebt,  dass Ihnen jemand sehr überzeugend einen Sachverhalt erklärt hat. Und obwohl Sie nichts als „Bahnhof“ verstanden haben,  trauten Sie sich nicht nachzufragen? Sie hatten Angst, „blöde Fragen“ zu stellen, weil Sie befürchteten, dass Sie dann inkompent wirken könnten? Oder Sie hatten Schamgefühle, fühlten sich vielleicht begriffsstutzig?  Gerade bei komplexen Finanzmarktprodukten haben sich in der Vergangenheit viele Anleger nicht getraut, kritisch nachzufragen. Dabei waren die Banker häufig selbst nicht in Lage, diese Produkte richtig zu verstehen, geschweige denn zu erklären.

SchafherdeAuch wenn der Herdentrieb einsetzt wird es häufig problematisch. Ich erinnere mich noch als wäre es gestern gewesen, als bei einer Geburtstagsfeier in der Nachbarschaft sämtliche Gespräche nur noch um Aktien und Neuemmissionen kreisten. Wer da noch nicht mal ein Aktiendepot besaß und nie eine Emission gezeichnet hatte, stand doch ziemlich blöd dar.  Wie langweilig und von gestern war da  meine Investmentfonds-Philosophie. Ein Jahr später bei der nächsten Geburtstagsparty sprach niemand mehr darüber. Zu groß waren nun die Schamgefühle.

Die Angst, ein soziales Risiko einzugehen, mal nein zu sagen, wenn die anderen wie eine Hammelherde dem Trend nachlaufen oder oder auf einer Party mal die Außenseiterin zu sein, weil die eigene Investment-Philosophie anders aussieht, wird häufig überschätzt. Da funktioniert unser Gehirn häufig noch wie in der Steinzeit, als es den sicheren Tod bedeutet hätte, aus der Horde außengestoßen zu werden. Wenn Sie  Angst haben, Ihren Finanzberater als Freund zu verlieren, wenn Sie mal kritisch nachfragen oder sogar nein sagen, dann könnte es gut sein, dass Sie dieses sozial Risiko in Relation zu möglichen Verlust weit überschätzen. Auch „Nein-Sagen“ ist lernbar und verringert dauerhaft die Angst vor dem sozialen Risiko.

 Das Fehlentscheidungsrisiko

Eine Frau mit offenen Rechnungen hat viele Schulden. Arbeitslosigkeit und Privatkonkurs

Die Angst vor einer Entscheidung, die sich im Nachhinein als falsch erweisen könnte, lässt Menschen häufig so lange abwarten und verharren, dass sie nicht mehr rechtzeitig reagieren können und  zum Opfer der Ereignisse werden. Nicht nur im Finanzdienstleistungssektor wird heutzutage lieber einem mathematischen Modell oder einem Algorithmus das Entscheiden und Handeln überlassen, als selbst eine Entscheidung zu treffen. Dann liegt die Verantwortung bei anderen, wenn es schief geht. Oder der Fehler lag eben im System. Viele Menschen treffen lieber erst gar keine Anlageentscheidung aus Angst vor einem Fehler. Obwohl auch keine Entscheidung zu treffen, ja eine Entscheidung ist, nämlich die Entscheidung dafür, sich zu entscheiden. Deshalb ist das Risiko eine Fehlentscheidung zu treffen in aller Regel völlig überbewertet.

Also treffen Sie ruhig Entscheidungen, lieber viele kleine als gleich die ganz Große, denn wir Menschen lernen hauptsächlich aus unseren Fehlern. Wer viele Fehler macht, lernt auch viel und wer häufig Entscheidungen, gewinnt Entscheidungssicherheit. Nur Mut!

Der Artikel ist Teil unseres gemeinsamen Blog-Projekts „Risiken verstehen und besser entscheiden“ von Kornelia Rendigs “finanzcoaching-bremen.de” und Lothar Schmidt Die private Finanzentscheidung

Herzlichst

Kornelia Rendigs

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Börsenpanik – Herdentrieb und „The trend is your friend“

Wenn die Stimmung an Schafherdeden Börsen  euphorisch ist und die Kurse scheinbar nur noch steigen, lassen sich auch die ängstlichen Anlegerinnen und die großen Skeptiker mitreißen:

 

Ein klassischer Fall von Herdentrieb,

den sogenannte Experten besonders bei Privatanlegerinnen und Anlegern ausgemacht haben und den sie angeblich sogar mit Daten belegen können.

Den Herdentrieb gibt es auch in umgekehrter Richtung. Wenn die Kurse nach unten rauschen steigen viele Privatanlegerinnen viel zu spät aus und dann irgendwann wieder viel zu spät ein oder manchmal auch gar nicht mehr wieder ein: Kollektive Verweigerung.

Trends...The trend ist your friend“

findet sich auch in der Behavioral Finance wieder. Das ist die noch sehr junge Wissenschaft zur Erforschung des AnlegerInnenverhaltens mit dem Ziel deren Verhalten verhaltenspychologisch erklärbar zu machen. Eine Erklärung dazu ist, dass wir Menschen uns gerne an Vorbildern orientieren – auch bei unseren finanziellen Entscheidungen. Deshalb gibt es an den Börsen, in den Medien und leider auch in der Wissenschaft immer wieder „Gurus“, denen man zum Nachweis der eigenen Kompetenz oder aus anderen meist unbewussten Motiven einfach folgen „muss“.

Experimente zeigen, dass Menschen ihre Meinungen immer ein bisschen annähern, wenn sie sehen und hören wie andere denken. Wenn alle das Gleiche machen, schließt jede sich gerne an,  weil sie  glaubt auf dem richtigen Dampfer zu sein.

Dieses Phänomen bezeichnen die Wissenschaftler als Vertrauenseffekt.

Die Börse oder besser gesagt die Börsen sind die eigentliche und wahre Mode-Branche dieser Welt. Mal sind die Tulpenzwiebeln im Trend, mal sind es die Eisenbahnaktien, mal die Neuemissionen junger IT Unternehmen und mal die Immobilien in den USA.

Wie heißt es so schön im „Volksmund“:

„Dabei sein ist alles!“

…und wer ist schon gern ein Außenseiter oder eine Außenseiterin?

Doch leider werden die Ergebnisse dadurch nicht besser. Das Phänomen der Schwarmintelligenz tritt leider bei Menschen nicht Ziviler Ungehorsamein, wenn wenn sie dem Herdentrieb verfallen. Menschen neigen zu Orientierung und Nachahmung. Wenn sie einmal vom Herdentrieb erfasst werden, dann wird das Denken hinter dem Nachahmen zurückgestellt. Wir werden also leider im Schwarm oder besser gesagt in der „Herde“ nicht klüger sondern dümmer.

Deshalb kann es auch mal von Vorteil sein, gewisse Dinge auszusitzen und einfach (oder auch nicht so einfach) bei seiner Meinung zu bleiben. Denn anders als in der Urzeit bedeutet heutzutage der Ausschluss aus der Horde nicht mehr unweigerlich den sicheren Tod.

Wir dürfen auch mal ein Stück alleine gehen!Süßes, junges Lamm

 

 

 

 

 

Ich diesem Sinne wünsche ich
Ihnen oder euch
einen sicheren Herbst
an den Börsen und auf den Straßen

Herzlichst

Kornelia Rendigs

 

Am 6. Oktober 2015 findet wieder ein Schnupper und Netzwerkabend zum Geldworkshop und Finanzcoaching statt.

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