Die schockierende Wahrheit über Börsenprognosen – 4 Vorsichtsmaßnahmen wie Sie sich vor der Prognosefalle schützen

Die schockierende Wahrheit über Börsenprognosen sollte eigentlich Anlass sein, sich bei Anlageentscheidungen nicht allzu sehr auf sie zu verlassen. Doch verhalten sich Anlegerinnen und Anleger immer rational und reflektiert? Lesen Sie selbst, damit Sie nicht in die Prognosefalle tappen.

Der Jahresanfang ist nicht nur die Zeit der Planungen und guten Vorsätze. Er ist auch beliebt bei Börsen- und Wirtschaftsexperten, um Börsenprognosen für das kommende Jahr zu entwerfen. Sie sollten sich deshalb in den nächsten Wochen wieder auf eine  Flut von Vorhersagen und Einschätzungen einstellen, was die Zukunft und vor allem das nächste Jahr für ihr Portfolio bereithalten könnte. Vor allem die Entwicklung in den USA seit der Präsidentschaftswahl bietet vielfältigen Anlass für sorgenvolle oder optimistische Spekulationen. Die Analysten geben Einschätzungen und Prognosen ab für die verschiedenen Anlageklassen, für einzelne Branchen, Währungen oder regionale Aktienmärkte.

Prognosen folgen Empfehlungen

Auf den Ausblick folgen für gewöhnlich Empfehlungen, mit welchen Strategien und Maßnahmen sich die nächste Krise vermeiden lässt. Oder Sie erfahren, wie Sie die nächste „große“ Chance ergreifen können. „So schützen Sie Ihr Geld vor der Inflation“, oder „die zehn besten Aktien, wenn der BREXIT kommt“, könnten nun die Schlagzeilen lauten. Doch können Sie sich auf solche Börsenprognosen und Anlageempfehlungen auch verlassen?

Wie zuverlässig sind Börsenprognosen?

 

„Mit Propheten unterhält man sich am besten drei Jahre später“
Sir Peter Ustinov

Mit der Zuverlässigkeit solcher Vorhersagen ist es leider nicht allzu weit bestellt. Das gilt nicht nur für Börsenprognosen. Auch Konjunkturprognosen erweisen sich als notorisch unzuverlässig. Sie sind kaum besser als intelligente Vermutungen. Das geben die Forscher selber zu, wie neuere Publikationen von OECD, IWF und anderen bestätigen.

Der britische Volkswirt Simon Wren-Lewis beispielsweise untersuchte die Qualität der Prognosen großer Institute. Obwohl dort Tausende von Experten und Volkswirten hochkomplizierte modellgestützte Analysen erstellten, war das Ergebnis mäßig. Es unterschied sich nicht von einfachen Schätzungen auf der Basis vom gesunden Menschverstand und ein wenig Fachwissen.

Die Vorhersagbarkeit der Welt werde allgemein überschätzt, sagt auch der Psychologe Professor Gerd Gigerenzer. Menschen denken, dass sie Dinge vorhersagen könnten, die nicht vorhersagbar sind. Egal, ob es nun um den nächsten Börsencrash geht oder die nächste Grippe-Pandemie, diese Ereignisse lassen sich nicht vorhersagen. Zentral für Gigerenzer ist die Unterscheidung von bekannten Risiken und Ungewissheit. Nur bekannte Risiken lassen sich berechnen – Ungewissheit nicht. Der Wechselkurs von Währungen zum Beispiel unterliege vielen Ungewissheiten und lasse sich daher von den besten Experten der Welt nicht vorhersagen.

Warum Prognosen so oft falsch liegen?

Ähnlich wie beim Wetterbericht sind kurzfristige Prognosen meist noch relativ treffgenau. Doch je länger der Zeitraum in der Zukunft liegt, desto größer ist auch die Wahrscheinlichkeit, weit daneben zu liegen. Das wäre vergleichbar mit einem Wetterbericht für die nächsten 365 Tage.

Dazu kommt außerdem, dass Prognosen häufig zu Verhaltensveränderungen führen, die dann die Prognose wieder ungültig machen.“

Doch auch kurzfristige Prognosen scheitern, wie wir jüngst erfahren durften. Die Prognosen zur BREXIT-Abstimmung waren ein Paradebeispiel dafür. Noch bis kurz vor Schluss der Abstimmung am 23.Juni 2016 sagten Umfrageergebnisse den Verbleib Großbritanniens in der EU voraus. Aber es kam anders. Mit den Prognosen zur US-Präsidentenwahl verhielt es sich ähnlich.

Laut Professor Thomas K. Bauer sind Wirtschafts- und Sozialprognosen oft deshalb ungenau, weil es zu viele Faktoren und Wechselwirkungen gibt, die eine Rolle dabei spielen. Alles ist mit allem verbunden. Es geht um das Verhalten von Menschen und da hängt das eine Verhalten vom anderen Verhalten ab.

Vor allem wenn unvorhergesehene Ereignisse wie das Platzen einer Immobilienpreisblase in den USA eintreten, sind Prognosen sehr schnell hinfällig. Experten nennen solche Ereignisse auch „schwarze Schwäne“ in Anlehnung an den Mathematiker und ehemaligen Börsenbroker Nassim Taleb. Er schrieb ein Buch mit dem Titel „Der Schwarze Schwan“. Die meisten Zukunftsprognosen scheitern, weil jedes Prognosemodell konsequent „Schwarze Schwäne“ ausblendet

Die komplexen Beziehungen zwischen unzähligen Menschen und Organisationen, ihre Erwartungen und ihre ständigen Anpassungen an sich ändernde Umstände lassen sich kaum in Modelle fassen und in klare Prognosen bündeln. Die zukünftigen Konsum- und Investitionsentscheidungen von Millionen Menschen abzuschätzen, wird auch mit allen modernen technischen Hilfsmitteln nicht einfacher.

Sicherheitsillusion und Börsenprognosen

Trotzdem ist das Interesse an Börsenprognosen nach wie vor hoch. Das hat verschiedene Gründe. Zum einen können Menschen Ungewissheit nur schwer ertragen. Zum anderen lieben sie die Illusion von der Sicherheit. Menschen wollen wissen, was sie erwartet und stürzen sich auf alles, was ihnen einen Blick in die Zukunft verspricht. Selbst Horoskope erfreuen sich einer großen Beliebtheit.

Die Zukunft löst bei vielen Menschen Angst und Unbehagen vor dem Unbekannten aus. Bei Zukunftsprognosen zum Klimawandel sieht es allerdings anders aus. Die haben noch nicht dazu geführt, dass wir unser Verhalten wirklich verändern. Diese Prognosen übersteigen unser menschliches Vorstellungsvermögen.

Bei den Börsenprognosen sind es vor allem die Medien, die das ständige Auf und Ab an den Börsen lieben. Denn mit Börsenvorhersagen lässt sich nun einmal gutes Geld verdienen Treffende Prognosen werden gefeiert. Die falschen Vorhersagen, die viel häufiger vorkommen, sind schnell wieder vergessen.

Der Herausgeber einer großen amerikanischen Zeitschrift, sagte einmal: „Ratschläge zu erteilen ist ein viel lukrativeres Geschäft, als diese zu befolgen. Diese Tatsache stellt einen der Grundpfeiler des Zeitschriftengeschäfts dar in Verbindung mit dem Kurzzeitgedächtnis unserer Leser.“ Nun, das sagt doch wohl alles …

Das schützt Sie vor Prognosefallen

Um sich vor Prognosefallen zu schützen, gibt es einige sehr wirksame Instrumente. Es ist wichtig, dass Sie sich immer wieder vor Augen führen, dass Ihr Leben nicht risikolos ist. Sonst dürften Sie im Prinzip nicht mal das Haus verlassen oder ins Auto oder auf Ihr Fahrrad steigen. Falls Sie zu den wenigen Menschen gehören, die wirklich Angst vorm Fahrrad- oder Autofahren haben, ist Ihnen das wahrscheinlich bewusst. Sie werden darauf verzichten. Oder Sie werden vielleicht nicht im Dunkeln fahren oder einen Fahrradhelm tragen, je nachdem wie hoch Ihre Risikobereitschaft ist.

1. Risiken differenziert bewerten und die eigene Risikobereitschaft reflektieren

Beim Thema Geldanlage ist es etwas schwieriger, sich über die eigene finanzielle Risikobereitschaft bewusst zu werden. Psychologische Untersuchungen haben gezeigt, dass finanzielle Risiken sehr unspezifisch wahrgenommen werden. Sie sind mit einer einzelnen Frage nicht einfach zu ermitteln. Häufig weicht die Risikobereitschaft dann bei genauerer Untersuchung doch mehr oder wenig deutlich von der Selbsteinschätzung ab.

Das liegt daran, dass bestimmte Risiken über- und andere unterschätzt werden. Manche finanziellen Risiken werden gar nicht als solche wahrgenommen. Dazu gehören aus meiner Erfahrung häufig das Zinsänderungsrisiko bei Immobiliendarlehen oder das Inflationsrisiko. Andere Risiken wie die Kursschwankungen von Aktien, werden dagegen sehr verstärkt wahrgenommen. Das liegt daran, dass Aktienpreise täglich ermittelt werden und in den Medien sehr präsent sind.

Erst ein ganzer Fragenkatalog, der unterschiedliche Einzelrisiken berücksichtigt und abfragt, kann wirklich Aufschluss über Ihre Risikobereitschaft geben. Dann ist es einfacher bestimmte Entscheidungsmöglichkeiten hinsichtlich der eigenen Risikobereitschaft einzuordnen und keine Risiken außer Acht zu lassen.

Wichtig ist also, dass Sie sich eingestehen, dass diese Welt nicht risikolos ist. Dann ist es wichtig, dass Sie sich stattdessen, mit den bekannten Risiken auseinandersetzen und diese einordnen und einschätzen können. Schlussendlich sollten Sie dann Ihre eigene Risikobereitschaft im Hinblick auf diese Einzelrisiken ermitteln und reflektieren. Das verschafft Ihnen eine solide Basis für Ihre Anlageentscheidungen und eine sehr viel robustere Einstellung gegenüber Börsenprognosen und Angstszenarien.

2. Risikostreuung vornehmen

Wie wichtig eine gute Risikostreuung, durfte ich vor 30 Jahren selbst erfahren. Ich hatte von meiner Großmutter ein Aktienpaket geerbt. Nach einem wahren Höhenrausch der damaligen Coop Aktien, folgt dann ein jähes dramatisches Ende. Ich investierte danach nie wieder in Einzelaktionen sondern nur noch in breit gestreute Aktienfonds und Anleihenfonds.

Leider ist eine breite Streuung über verschiedene Anlageklassen auch heute noch bei vielen Anlegerinnen eher die Ausnahme. Da überwiegen verzinsliche Anlagen und häufig bildet eine einzelne Immobile den größten Teil des Vermögens ab. Wenn es sich dann noch um eine selbstgenutzte Immobilie handelt, ist der Vermögenswert höchst eingeschränkt. Sie soll ja in aller Regel nicht veräußert werden. Somit steht Sie dann im Bedarfsfall als veräußerbares Vermögen auch nicht zur Verfügung.

Wenn also Ihre Vermögensverteilung oder auch Ihr Vermögensaufbau in der Ansparphase auf einer soliden und breiten Risikostreuung basiert, können Sie sich den Prognosen gegenüber sehr viel entspannter verhalten. Sie brauchen nicht mehr angsterfüllt jeder neuen Einschätzung und Vorhersage lauschen und können stattdessen einfach mal abschalten und entspannen.

3. Wissen schafft Sicherheit

Auch wenn Finanzwissen vielleicht nicht zu Ihren Lieblingsthemen gehört, ist es doch wichtig. Dabei meine ich weniger die täglich auf uns alle einprasselnde Nachrichtenflut an schrecklichen Ereignissen und deren mögliche Auswirkungen auf die Wirtschaft und die Börsen. Ich meine vielmehr grundlegende wissenschaftliche Erkenntnisse und wirtschaftliche Zusammenhänge. Wie wirken sich die Inflation oder die Niedrigzinsen auf Ihre Altersvorsorge aus? Wie wirkt der Zinseszinseffekt? Wie sahen die langfristigen Renditen von Aktien und verzinslichen Anlagen in der Vergangenheit aus?

Wissen und Verstehen sind sehr wirkungsvolle Instrumente, um sich vor Fehleinschätzungen und vor angstgetriebenen Fehlentscheidungen zu schützen. Das verschafft Ihnen auch die Selbstsicherheit, bestimmte Anlageformen besser einschätzen oder auch mal kritisch zu hinterfragen zu können.

4. Sich selber besser kennen lernen

Wissen Sie, wie Sie reagieren, wenn jemand Sie mit schlechten Nachrichten verunsichern will? Sind Sie leicht zu beeindrucken oder sind Sie eher grundsätzlich sehr kritisch und schwer zu überzeugen? Es ist gut zu wissen, wo die eigenen Schwachstellen sind und womit andere – auch die Medien mit ihren düsteren Vorhersagen- Ihre „Knöpfe“ drücken können. Denn in dem Moment, wo Ihnen Ihre typischen Reaktionen und Ihre Ängste bewusst sind, können Sie sich besonnener damit auseinander setzen. Sie können dann ganz bewusst nein sagen, zu dem was andere Ihnen weiß machen wollen und weiterhin zu Ihrer getroffenen Entscheidung stehen. Die Macht der Börsenprognosen findet Ihren fruchtbaren Boden immer wieder in der Unsicherheit der Menschen.

Deshalb: Lassen Sie sich doch einfach aus Prinzip nicht mehr verunsichern. Letztendlich wissen Sie doch sowieso erst später, ob die Entscheidung richtig oder falsch war. Sie können ja schließlich nicht in die Zukunft sehen, die selbsternannten Experten und Propheten aber ganz genauso wenig.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen weiterhin einen entspannten Umgang mit Prognosen und viel Selbstvertrauen in Ihre eigenen Entscheidungen.

Herzlichst
Ihre

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Kornelia Rendigs ist Diplom-Ökonomin und arbeitet seit 23 Jahren als freie Anlageberaterin hauptsächlich – aber nicht ausschließlich – für und mit Frauen. Seit Januar 2016 ist sie die erste zertifizierte FCM Finanz Coach®. Als Finanz Coach unterstützt sie Menschen bei allen finanziellen Fragen und Problemen und ist darauf spezialisiert, dysfunktionale Glaubenssätze und Projektionen zum Thema Geld aufzudecken und aufzulösen.

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