Die Sicherheitsillusion mathematischer Modelle oder wie Sie bessere Finanzentscheidungen treffen

Das tiefe Sicherheitsbedürfnis

In Zeiten von Flüchtlingskatastrophen, Terroranschlägen und  wirtschaftlichen Krisen wird das Bedürfnis nach Sicherheit bei den Menschen besonders groß. Das gilt auch für die Ersparnisse. Besonders den Deutschen wird ein großes finanzielles Sicherheitsbedürfnis nachgesagt.

Gehören Sie auch zu den Menschen, die Aktien für Teufelszeug halten?

Horten auch Sie Ihr Geld auf Sparbüchern, Tagesgeldkonten und in anderen vermeintlich sicheren Anlageformen, um ja keinen Cent zu verlieren?

Und sind frustriert, weil es keine Zinsen mehr gibt?

Glauben Sie, Ihr Geld ist dort in Sicherheit?
Was ist eigentlich wirklich sicher?

Mit Mathematik die Vergangenheit fortschreiben

Wegweiser Sicherheit RisikoIn kaum einer Branche und Wissenschaft bemühen sich  Experten mehr um todsichere Prognosen wie in der Finanzwirtschaft und in der Wirtschaftswissenschaft.  Risikovermeidung ist das oberste Gebot –  Ja kein Geld verlieren das Ziel. Dafür werden Algorithmen programmiert, mathematische Modelle konstruiert und Computergestützte Risikomodelle implementiert.

Genau hier beginnen die Probleme: Da füttern Menschen die Computer mit Daten, um Risiken berechnen zu können. So als könnten Sie dann in die Zukunft schauen. Kann das funktionieren? Können Experten wirklich vorhersagen, wie sicher eine Geldanlage ist? Wie machen Sie das?

Ist das nicht ein bisschen wie Alchemie?

Value at Risk (VaR)

ball-862122_640Ein sehr beliebtes Mathematisches Modell ist die Value at Risk (VaR) oder Wert im Risiko Methode. Das von JP Morgan in den Neunzigern entwickelte Modell nutzt die Statistik, um das Risiko für eine Finanzposition zu errechnen, beispielsweise für ein Portfolio von Wertpapieren. Der VaR gibt an, welche Verlusthöhe (Maximalverlust) innerhalb eines bestimmten Zeitraums mit einer gegebenen Wahrscheinlichkeit nicht überschritten wird.

Das könnte so lauten: Zu 95 Prozent der Fälle wird dieses Portfolio aus Aktien, Renten und Rohstoffen im Wert von 100 Millionen Euro in einem Zeitraum von einem Monat einen maximal erwarteten Verlust von fünf Millionen Dollar aufweisen.

Klingt gut oder?

Das Angenehme daran ist, dass diese hoch komplexe Computerberechnung, die mit vielen Daten, Zahlen und Fakten aus der Vergangenheit gefüttert wurde, dann doch letztendlich nur eine Zahl ausspuckt, nämlich den erwarteten Maximalverlust.

sunset-787826_640„Das verstehen auch Banker, die sich mehr mit ihrem Golfhandicap als mit höherer Mathematik beschäftigen.“,

so schrieb zumindest das Handelsblatt.

 

Von der Vergangenheit auf die Zukunft schließen

Problematisch ist die Grundannahme, die der ganzen Sache zugrunde liegt: Wahrscheinlichkeitsrechnung auf Basis der Statistik setzt voraus, dass die Zukunft genauso oder zumindest sehr ähnlich wie die Vergangenheit wird.

cube-689618_640Das mag ja bei einem Würfel noch funktionieren. Der hat sechs Seiten und ob sie ihn nun hundert Mal oder tausend Mal durch die Gegend kullern, ändert nicht viel an der Wahrscheinlichkeit eine sechs zu würfeln. (Es sei denn, Sie feilen an ihm herum…)

Doch in der Finanzwelt sieht es anders aus. Selbst wenn Sie einen Computer hätten, der so groß ist wie die ganze Erde, wäre das Ergebnis nicht sehr sicher, denn die Welt ändert sich ständig. Da kann das Fortschreiben der Vergangenheit zu großen Fehlern führen. Das hat auch die letzte Finanzkrise sehr deutlich gezeigt. Da gingen die Ratingagenturen weiterhin von der Annahme steigender Immobilienpreise aus, um die Wahrscheinlichkeit von Kreditausfällen im amerikanischen Hypotheken-Sektor zu berechnen. Dass auch die Immobilienmärkte keine Einbahnstraße sind, schienen diese Experten nicht auf dem Schirm zu haben.

Der Faktor Mensch

Es bleibt auch immer ein unkontrollierbarer Faktor: der Mensch. Menschliches Verhalten – und um nichts anderes handelt es sich bei dem Ausbruch einer großen Wirtschaftskrise -, lässt sich nicht mit mathematischer Präzision voraussagen.

Genauso absurd ist die Erwartung, mit dem VaR-Modell die Verlustverteilung in einem Portfolio mit 95-prozentiger Sicherheit für einen längeren Zeitraum berechnen zu können. Das wäre ungefähr so, als würden die Meteorologen das Wetter für die nächsten 365 Tage prognostizieren. Beim Wetter erwartet das kein Mensch, aber bei den Entwicklungen an den Finanzmärkten wird   von dieser Annahme ausgegangen.

Wie sicher ist denn nun Ihr Geld auf dem Sparkonto?

Kontoauszug, Kontoauszüge, Bank, Postbank, Papier, Kreditinstitut, Soll, Haben, Saldo, Guthaben, Girokonto, Bankgeschäfte, bargeldloser Zahlungsverkehr, SEPA, Wertstellung, IBAN, BIC, Kontonummer, Euro, EUR, Dispositionskredit, Dispo, Zinssatz, Überziehung, geduldete Überziehung, Umsatz, Umsätze, Zinsen, Sparen, Sparkonto, Buchung, Finanzstatus, Geld, Kontostand, Minuszins, Minuszinsen, Negativzins, Negativzinsen, Negativverzinsung, Unschärfe, Hamburg, Januar 2015, Bild Nr.: N49207

Die Modelle waren ursprünglich auf kurze Zeiträume ausgelegt. Gerechnet wurde für einen Handelszeitraum von einem Tag oder einem Monat. Vor allem gaben sie nicht vor, fast hundertprozentige Sicherheit zu erreichen. Das geschah erst, als sich die Aufsichtsbehörden dazu entschlossen, VaR zum Präzisionsinstrument für die Messung von Risiken im Kreditportfolio einer Bank für die Dauer eines Jahres zu machen. Doch gerade in einer Krise wie der Subprime-Krise 2008 erwiesen sich die Parameter als höchst unzuverlässig, denn viele der Parameter verhielten sich ganz anders als dies in den Modellen angenommen wurde.

Auch deutsche Banken verwenden Value-at-Risk-Modelle zur Berechnung der bankaufsichtlichen Eigenmittelunterlegung für die Marktpreisrisiken des Handelsbuchs. Zwar sind die Auflagen seit der Krise noch einmal verschärft worden. Doch vom Grundsatz her hat sich nicht viel geändert.

Wie sicher nun die Überlebensfähigkeit unserer deutschen Banken in der nächsten Krise sein wird, ist eine andere Frage. Doch bisher war das Geld dort sicher.

Könnte das eine Sicherheitsillusion sein, der Sie unterliegen?

Die Truthahn-Illusion

Turkey in the saucepanDie Truthahn-Illusion ist ein Begriff aus der Verhaltsökonomik, der Risikointelligenz berschreibt. Aus Sicht des Truthahns wird die Wahrscheinlichkeit, gefüttert und umsorgt zu werden und in Sicherheit zu sein von Tag zu Tag größer, da er keinerlei andere Erfahrung macht. Mit jeder Fütterung steigt sein Vertrauen und seine gefühlte Sicherheit, bis plötzlich Thanksgiving vor der Tür steht. Der Mann, der ihn solange umsorgt hat, kommt plötzlich nicht mit dem Futter sondern mit dem Messer .

Genauso unterliegen immer wieder Menschen dieser Truthahn-Illusion . Wer konnte sich schon vorstellen, dass eine Bank wie Lehman Brother pleite macht. Sogar die Experten gingen ja von weiterhin steigenden Immobilienpreisen aus vor der Subprime-Finanzkrise.

Wie gewinnen Sie Sicherheit bei Ihren Finanzentscheidungen?

Eine Sache ist absolut sicher: Sie wissen nicht mit 100 %iger Sicherheit, was morgen passiert. Jedenfalls nicht bis ins letzte Detail. Sie können vielleicht eine 95 %ige Wahrscheinlichkeit erreichen, wenn Sie nicht aus dem Haus gehen, nicht die Tür öffnen, auf keinen Fall den Gasherd betätigen und am besten den ganzen Tag im Bett bleiben.

Trotzdem könnte theoretisch immer noch das Haus über Ihnen zusammen brechen!

Genaus so sieht es mit Ihren Finanzentscheidungen aus.

Wenn Sie Ihr Geld zu 100 % auf dem Tagesgeldkonto parken oder alles immer nur ins Eigenheim stecken, ist das so , als ob Sie das Haus nicht mehr verlassen, aber trotzdem nicht wirklich sicher sind. (Sie wissen zumindest nicht sicher, ob Sie so das Risiko der Altersarmut verhindern können.)

Bei dieser Frage geht es also nie darum, wie Sie jeglichen Verlust vermeiden.

Es geht vielmehr um die Frage,

  • wie Sie mit überschaubaren Risiken Ihr(e) Ziel(e) erreichen,
  • wie Sie Ihre Zahlen im Blick haben und wissen, an welchen Stellschrauben Sie drehen können oder müssen,
  • wie Sie (wieder) selbst das Steuer in die Hand nehmen und sich dadurch sicher und weniger ausgeliefert fühlen.

Mehr Entscheidungskompetenz für mehr Entscheidungssicherheit

Statt sich auf die Aussagen anderer und die Berechnungen mathematischer Entscheidungsmodelle zu verlassen und dann vielleicht verlassen zu sein, trainieren Sie Ihre Finanz-und Entscheidungskompetenz. Gehen Sie auch mal ein (überschaubares) Risiko ein und machen Sie sich bewusst, welche Risiken Sie unbewusst schon eingegangen sind.

  • Lassen Sie sich von Ihrer Finanzplanerin oder Ihrem Finanzplaner ausrechnen, wie Sie Ihr(e) Finanz-Ziel(e), beispielsweise die gewünschte Rentenhöhe,  erreichen können.
  • Lassen Sie ausrechnen, wie viel Geld Sie monatlich dafür zurücklegen müssen je nach angenommener Rendite und Besteuerung?
  • Ermitteln Sie Ihre finanzielle Risikobereitschaft und entscheiden Sie dann, wie viel Risiko Sie eingehen wollen.
  • Machen Sie sich zur Gewohnheit, diese Zahlen alles zwei bis drei Jahre überprüfen zu lassen
  • Treffen Sie klare Entscheidungen, wofür Sie sparen und trennen Sie diese „Töpfe“
  • Überprüfen Sie Ihre Finanzanlagen hinsichtlich der angestrebten Ziele und der eingegangenen Risiken regelmäßig mindestens einmal pro Jahr
  • Lassen Sie sich nicht entmutigen, wenn es am Anfang noch nicht so klappt oder Sie noch nicht den Zielerreichungs-Betrag zurücklegen können, aber verlieren sie die Sache nicht aus den Augen

Laut Professor Gerd Gigerenzer vom Max-Planck-Institut für Bildungsforschung helfen mathematische Modelle in einer Welt der Unsicherheit nicht weiter, da die zugrunde gelegten Parameter und Daten viel zu gering sind um realistische Aussagen zu treffen. Stattdessen brauchen Menschen bei Finanzanlagen einfache Regeln  und vor allem eine solide Basis an Wissen und gefühlter (Selbst-)Sicherheit mit den Finanzthemen.

Wer könnte diese Regeln besser festlegen und umsetzen als Sie selbst?

Was tun wenn es nicht so klappen will?

Wie FinanzCoaching die Intuition stärken kann

Job interview or business meeting under two woman sitting at desk: adviser and customer.

Manchmal klappt es nicht so mit dem Geld und den Finanzen wie erhofft. Obwohl Sie sich doch die aller größte Mühe geben.

Woran kann das liegen?

Haben Sie schon einmal negative Erfahrungen mit Geld oder Finanzthemen gemacht? Dann geht es Ihnen wie viele Menschen. Oft werden negative Erfahrungen in die Zukunft fortgeschrieben oder bestimmte Verhaltensweisen, negative oder positive Eigenschaften werden auf Geld projiziert. Auch das findet meist unterbewusst statt und kann die eigene Finanzentscheidungskompetenz sehr lähmen oder schwächen.

Auch negative Emotionen und Erfahrungen können dazu führen, dass Sie vielleicht unterbewusst nichts mit Finanzthemen zu tun haben wollen, sich nicht genug kümmern oder fast zwanghaft immer wieder die falschen Finanzentscheidungen treffen.

Solche unterbewussten Projektionen, Denkblockaden oder „Erfolgshemmer“ können Sie durch Finanzcoaching auflösen und wieder selbst – bewusst und intuitiv – mit und ohne Geld – das Steuer in die Hand nehmen.

Dafür stehen wir – Lothar Schmidt in Landau und Kornelia Rendigs in Bremen – gerne zur Verfügung. Übrigens: Finanzcoaching funktioniert auch ganz prima als Telefoncoaching.

Nächste Woche wird Lothar Schmidt dann über Finanzentscheidungen in der Partnerschaft berichten und wie sie als Paar auf einen gemeinsamen Nenner kommen können.

Dieser Artikel ist Teil unseres gemeinsamen Blog-Projekts „Risiken verstehen und besser entscheiden“ von Kornelia Rendigs “finanzcoaching-bremen.de” und Lothar Schmidt Die private Finanzentscheidung

Herzlichst

Kornelia Rendigs

Haben Sie Fragen zum Finanzcoaching oder zur Finanzplanung? Wollen Sie wissen, wie es in der Praxis und im Detail genau abläuft? Dann rufen Sie mich an
Tel. (0421) 408 99 440 oder (0160) 28 48 646 oder schicken mir eine E-Mail: kr@vermoegenundzukunft.de.