Das Bremer Sparbuch-Urteil

Die Ersparnisse des Kindes sind als Geldquelle für Eltern tabu

DruckUnd wieder mal ein Tabu in Sachen Geld, so ließ uns jüngst der Südkurier wissen.¹ Wie passend  – wo doch das Thema Geld an sich schon ein Tabu ist. Allerdings scheint es innerhalb der Familie beim Thema Geld wenig Tabus zu geben, allenfalls in bezug auf die Geheimhaltung nach außen. Nun scheint sich auch das gewandelt zu haben.

Das Bremer Urteil² ist nichts Besonderes, denn die Eigentumsrechte sind in diesem unserem Land schon ziemlich klar geregelt – meistens jedenfalls. Doch in Gelddingen scheint dies –  und gerade minderjährigen Kindern gegenüber –  noch immer nicht so ganz in das Bewusstsein einiger Menschen vorgedrungen zu sein.

Die Begehrlichkeiten der Eltern und anderer Verwandter einerseits und die Rechte der Kinder andererseits sind noch immer ein heikles Thema.

Wie oft in meiner Beratungspraxis musste ich Eltern darüber aufklären, dass das Geld auf dem Sparbuch oder Konto ihrer Kinder deren Eigentum ist und dass es einer Schenkung gleich kommt, wenn Eltern auf ein Sparbuch oder Konto ihrer Kinder einzahlen.

Noch immer betrachten viele Erwachsene Ihre eigenen Kinder, Ihre Enkel, Neffen oder Nichten als „Steuersparmodelle„, wenn der eigene Sparerfreibetrag ausgeschöpft ist. Auch wenn dies in der aktuellen Niedrigzinsphase gerade nicht so relevant ist.  Da kommt dann plötzlich die kinderlose Tante und möchte Geld für ihren Neffen anlegen, das sie dann aber (im Nachsatz) bei Bedarf zurück haben möchte.

Mädchen schaut auf GeldtürmeIn meiner Beratungspraxis erlebte ich auch, wie eine junge alleinerziehende Mutter, die  nach einer größeren Erbschaft  die gesamte Summe auf das Konto ihrer Tochter eingezahlt hatte, um Kapitalertragsteuer zu sparen, fast zusammen brach, als ich sie über die Rechtslage informierte. Sie war dem Rat ihrer Steuerberaterin gefolgt.

In einem anderen Fall vereinnahmte ein Vater nach einem Unfall seines noch minderjährigen Sohnes dessen Schmerzensgeld um damit die Krankenhauskosten  zu begleichen. Er hätte sonst bei Inanspruchnahme seiner privaten Krankenversicherung die Beitragsrückerstattung verloren.

Ich könnte noch so einige Beispiele aus mehr als zwanzig Jahren Beratungspraxis und aus dem Leben erzählen und wundere mich  inzwischen über fast gar nichts mehr.

Einige Menschen scheinen sehr kreative „Bewertungen“,  und vor allem „Rechtfertigungen“ zu produzieren, wenn es um die eigenen monetären Vorteile geht. Für mich ergeben sich daraus Fragen, wie:

  • Was sind die Persönlichkeits- und Eigentumsrechte minderjähriger Kinder wert, wenn die „ökonomischen Werte“ der erwachsenen Verwandten, oder  Sorgeberechtigten offensichlich so viel schwerer wiegen?

 

  • Welche Werte vermitteln wir als Einzelne und als Gesellschaft unseren Kinder und mit welchem Bewusstsein?

 

  • Wie wird sich das auf das spätere Geld- und Finanzverhalten dieser Kinder auswirken?

 

  • Wo stehen wir, wenn Kinder ihre Eltern verklagen, weil diese sich am Sparbuch der Kinder vergriffen haben oder vielleicht auch nur etwas für die Kinder kaufen wollten?

sparschwein_rissWas auch immer dieses Bremer Urteil bewirken mag, es ist zumindest eine wundervolle Gelegenheit, mal wieder über Geld und über Werte nachzudenken. Es ist auch eine wundervolle Gelegenheit, um sich selber Fragen zu stellen und die eigene Geldkommunikation, das eigene Geldverhalten und die Geldbeziehung in Relation zu anderen Beziehungen zu überprüfen.

Oftmals ist es gar nicht die böse Absicht, die dahinter steckt sondern nur die Unbedachtheit, die Unaufmerksamkeit und die mangelnde Reflektion des eigenen Handelns oder natürlich die Unkenntnis der  Rechtslage .

Wenn wir als Menschen und als Menschheit nur noch an den „Mehrwert“, „Geldwert“ und „ökonomischen Wert“ denken ohne das „WIE“ oder das „Wozu“ zu betrachten und zu hinterfragen, werden wir uns weder sozial noch ökonomisch gravierend weiter entwickeln.

Mein Tipp dazu:

Innehalten und Reflektieren Sie ihre Werte und Ihre Projektionen auf Geld. In diesem Sinn

Herzlichst

Kornelia Rendigs

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¹Artikel des Südkuriers zum Nachlesen

² Urteil des OLG Bremen